Lebewohl

Kirche 23. Mai 2018

Heute war ich in Hannover. Beim Generalkonvent dieses Sprengels der hannoverschen Landeskirche sollte ich sagen, was ich besser weiß. Gut 300 Pfarrerinnen und Pfarrer kamen dort zusammen zum Frühstück in der Marktkirche. Meine Notizen für die knappen 10 Minuten, mit allen Rechtschreibfehlern und Unvollständigkeiten:

 

Vorbemerkungen

  1. Normalerweise werden Tischreden ja in Reimen vorgetragen, das erspar ich Ihnen und mir heute mal
  2. Ich wünschte, ich wüsste alles besser. Dann würde ich ihnen sagen: Machen sie dies, das.
  3. Die Wahrheit ist: ich bin nicht Paulus. Ich kann nicht voller Inbrunst sagen: „Ich wünschte, alle wären wie ich“
  4. Ich bin ein Fan von dieser Idee, dem Jahr der Freiräume, das hier in Hannover auf sie alle wartet

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Beerdigung Opa

  1. Vor ein paar Jahren ist mein Opa gestorben. An seine Beerdigung musste ich denken, als ich mich für heute vorbereitet habe. Sie war eine der besten Erfahrungen mit Kirche, die ich gemacht habe.
  2. Weil sie mich versöhnt hat
  3. Weil sie mir diesen Mann, der mir so fremd und unheimlich war, von seiner guten Seite gezeigt hat
  4. Weil eine Pfarrerin, die ihn offenbar anders kannte als ich, seine andere Seite hervorgehoben hat
  5. Weil sie mir half, ihn gehen zu lassen.

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Kirche

  1. Sonntag war ich mal wieder im Gottesdienst. Ich gehe nicht oft, ich würde gerne öfter.
  2. Aber es fühlt sich – ehrlich gesagt – an, als würde ich das sprichwörtliche tote Pferd reiten
  3. Da ist kein Leben mehr in der Kirche, nur noch ein paar vereinzelte, die um ihren Totem herumstehen. Sie beerdigen ihre Toten noch nicht mal mehr
  4. Da ist Platz für 800 und im schlimmsten Fall kommen nur 8. inklusive Pfarrerin und Kantor.
  5. Am Ort kann es nicht liegen: die Kirche liegt mitten in Schöneberg und hat quasi einen eigenen Ubahn-Anschluss.
  6. Zehntausende gehen hier täglich lang, Dutzende sitzen abends vor, neben und um die Kirche herum, essen Eis (das beste Berlins), trinken Bier, machen Fotos von ihrem Backsteinturm. Gegenüber hatte jemand die fantastische Idee, ein Café „Gottlob“ zu nennen. Spoiler: die Kirche war es nicht.
  7. Mich schmerzt dieser Anblick. Es tut mir körperlich weh das mitansehen zu müssen und auch noch Teil davon zu sein. Immerhin ist es ja parochial gesehen meine Gemeinde. Aber wie gesagt: ich weiß es doch auch nicht besser.

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Profis des Sterbenlassens

  1. Wen ich auch frage, allen ist alles zu viel. Die Arbeit, die Welt.
  2. Ich wünschte, Sie wüssten es besser! Aber Ihnen ist sicher auch alles zu viel. Sie alle haben zu volle Wochen, zu volle Kalender.
  3. Deshalb: bitte fangen Siw an, ihre Toten zu beerdigen, all die Toten Projekte. Sie sind die Profis fürs Lebewohl.
  4. Finden sie mit ihrer Gemeinde oder wo sie gerade sind, die toten Pferde. Und dann helfen sie einander darüber hinweg.

  5. Und dann tragen sie ihre Erfahrungen zusammen, am liebsten Open Source oder als App.

  6. Vielleicht eine App, die Ihnen und mir dabei hilft, Balast loszuwerden, unnötige Aufgaben von den nötigen zu unterscheiden, neue Projekte erst gar nicht anzufangen.
  7. entwerfen Sie für uns alle eine Theologie des Lebewohl

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Wettbewerb des Beerdigens

  1. Ich rufe einen Wettbewerb des Aufhörens aus. Schreiben sie mir, was sie fortan gut sein lassen – und ich schreibe darüber.
  2. Und ums konkret zu machen und auf die Gefahr hin, dass mich nie wieder irgendwer einlädt: der Hauptpreis liegt beim Gottesdienst am Sonntagmorgen.

Postsee

Fotos 15. Oktober 2017

Ein Kurzurlaub im Herbst, die polnische Ostseeküste, ein Faltrad, möglichst wenig Gepäck. Los ging unsere Reise schon in Berlin. Mit dem Rad zum Bahnhof, von dort mit dem EC nach Danzig. Dort blieben wir zwei Nächte, streunten durch die Gassen der wieder errichteten Altstadt, stiegen auf den Kirchturm und schipperten zur Westerplatte. Von dort radelten wir den Ostseeradweg bis Gdynia, wo eine Fähre gerade noch so auf uns wartete. Ziel: Die Halbinsel Hela. Diese fuhren wir entlang bis nach Wladislawowo, blieben wieder über Nacht und fuhren zurück nach Gdynia. Dort stiegen wir in einen Zug nach Poznan, wo wir für eine weitere Nacht blieben, bevor es wieder nachhause ging.

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