Schlagwort ‘Christ & Welt’

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Papierstau

Die Abgasschummelei von VW ist das eine. Der eigentliche Skandal steht auf einem anderen Blatt: Drei DIN-A4-Seiten verbraucht jedes Onlineticket der Deutschen Bahn. Gültig ist es nur, wenn es ausgedruckt vorliegt. Ahnungslos klicken die Deutschen auf »Drucken « und holzen, ohne es zu wollen, ganze Regenwälder ab. Nötig ist nur die erste Seite. Allmonatlich wandern so fast vier Millionen Blatt ins Altpapier.

Bisher stank das Auto – selbst mit gefälschten Werten – gegen die Bahn ziemlich ab. Überheblich blickte der Bahnkunde bei 300 km/h auf die SUV-Fahrer, schon gestraft durch Stau und Benzinkosten, herab, als würden diese höchstselbst das Ozonloch ins Firmament reißen! Die Ökobilanz der Bahn ist das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt ist. Aktivisten wollen die Bahn nun zum Sparen anhalten. Es ist mit Papierstau zu rechnen.

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Scheidung in drei Wörtern

Twitter hilft jetzt auch in der Ehe: Unter #MarriageAdviceIn3Words verraten Nutzer, wie sie ihre Beziehung frisch halten. Twitter spielte im Arabischen Frühling eine große Rolle, warum sollte der Dienst dann nicht auch verdorrten Ehen zur zweiten Blüte verhelfen? Über die Klassiker der Paarberatung geht es jedoch bisher nicht hinaus. »Heitere sie auf«, »Sie hat recht« oder »Whisky, Tango, Foxtrott«, steht da.

Andere Nutzer verbinden den heiligen Bund nicht mit knospender Liebe, sie sehen fallendes Laub. »Verheirate dich nicht«, »Scheidung ist teurer« oder »Kauf einen Hund«, schreiben sie. Mit drei Wörtern ist die Ehe nicht zu retten. Beenden lässt sie sich dagegen in aller Kürze. Etwa so: »Geh jetzt besser«. Oder wie man bei Twitter sagen würde: »Entfolge mich bitte«.

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Mein Ja zum Recht auf Abtreibung

Frauen sind Menschen. Das ist so weit unstrittig. Die Menschenrechte sind ihnen sicher, auch wenn sich so mancher damit schwertut. Das Recht, eine ungewollte Schwangerschaft zu beenden, also über ihren eigenen Körper zu verfügen, wird ihnen in Deutschland dennoch verwehrt. Abtreibung ist nach §218 Strafgesetzbuch illegal und steht seit 1871 in einer Linie mit anderen Tötungsdelikten. Eine Abtreibung ist erst seit 1995 unter Voraussetzungen straffrei, die an Zeiten erinnern, in denen Frauen ohne Vormund nicht aus dem Haus gehen durften. Frauen, die sich entscheiden, ihre Schwangerschaft zu beenden, widerfährt Gnade, nicht Recht. Das muss sich ändern! Weiterlesen

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Christ & Welt Kollekte 07/2015

Sara Netanjahu sammelt Flaschen. Ungewöhnlich ist das nicht. Doch gegen die First Lady Israels wäre selbst ein König der Flaschensammler nur ein kleines Licht am Pfandautomaten. Seit es das Flaschenpfand gibt, streben Menschen danach. Die meisten von ihnen streifen durch die Innenstädte, um sich ihr mickriges Einkommen aufzubessern. In der Hoffnung auf das gläserne Gold gehen sie von Mülleimer zu Mülleimer. Greifen sie erfolgreich in die Tonne, sind sie auf einen Schlag ein paar Cent reicher. Doch manche geben sich damit nicht zufrieden. Weiterlesen

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Harte Prüfung

Wenn sich Heinrich Bedford-Strohm über etwas freut, dann schreibt er einen Beitrag bei Facebook. Dafür fliegen ihm die Likes nur so entgegen. Padford-Strohm, wie er wegen seiner Online-Aktivitäten genannt wird, ist bayerischer Landsbischof und seit November 2014 EKD-Ratsvorsitzender. Am 21. Januar um 21.36 Uhr schrieb er: „Bei der Landeskirchenratssitzung wurde viel besprochen, aber über eines habe ich mich besonders gefreut.“ Der Ansturm auf die Liste der „Anwärter fürs geistliche Amt“ sei im letzten Jahr um 20 Prozent gestiegen. In Anbetracht des Pfarrermangels klingt das wie eine gute Nachricht. Doch dieses Mal wollte niemand die Begeisterung des Bischofs so recht teilen. Weiterlesen

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Wegelagerer

Zwischen Reinhard Kardinal Marx und Heinrich Bedford-Strohm liegen keine fünf Fahrradminuten. Das ist die „Ökumene der kurzen Wege“, wie Bedford-Strohm seine Beziehung zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz bezeichnete. Doch welchen Weg wählte der neue Ratsvorsitzende, als er sich am vergangenen Samstagabend zum ökumenischen Antrittsbesuch auf sein Fahrrad schwang? Weiterlesen

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Die sind doch alle so

Kennen Sie Afrika? Nein? Nicht so wichtig! Schließlich handelt es sich bei diesem Kontinent, der größer ist als Europa, China und die USA zusammen, eigentlich nur um ein kleines, überschaubares Land am Meer. In Afrika, da gibt es wilde Tiere, und die Menschen dort sind allesamt bettelarm. Das ist eigentlich alles, was sie über dieses Fleckchen Erde südlich von Italien wissen müssen. Ach ja, nicht dass wir’s vergessen: Der Afrikaner an sich ist im Gegensatz zum aufgeklärten Europäer auch noch durch und durch homophob.

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Repräsentranz

Eine Kirche, die sich einst der Hierarchie entledigt haben wird, braucht keine Ratsvorsitzenden. Protestantismus heißt: Alle evangelischen Christen sind die obersten Repräsentanten ihrer Kirche. Die Gemeinschaft der Gläubigen kommt ohne diesen Posten aus. Und doch sollten sie sich diesen Luxus leisten, auch wenn er auf Kosten des Priestertums aller Gläubigen geht. Weiterlesen

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Die Hände zum Himmel

Alle Signale standen auf Harmonie, als sich vor einer Woche der konservative Flügel der evangelischen Kirche in der Stuttgarter Mercedes-Benz Arena versammelte. Glaube, Liebe, Hoffnung – darüber blauer Himmel. In der Cannstatter Kurve strömt sonst Bier aus Plastikbechern in die Hälse grölender Fans, an diesem Tag glitzerten 600 Trompeten und Posaunen in der Sonne. Sefora Nelson, die evangelikale Version von Schlager – ikone Helene Fischer, sang „Wir sind Teil seiner Geschichte“; das Lied hat sie eigens für den Christustag komponiert. Die Band und der 100-köpfige Projektchor umspülten sie mit Wohlklang. Weiterlesen

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Kirchenschiffe sind Rettungsboote

Wenn Menschen Schutz suchen, darf sich Kirche nicht verschließen. Sie muss Partei ergreifen, anstatt diese Menschen vor verschlossene Türen zu setzen. Kirchenasyl ist deshalb keine Möglichkeit, die ein Presbyterium abwägen kann wie die Frage um den Abriss oder Erhalt eines baufälligen Kirchturms. Es wäre stattdessen eine Unmöglichkeit, Menschen in Gefahr für Leib und Leben diesen letzten Zufluchtsort nicht zu gewähren. Kirchenschiffe müssen Rettungsboote sein!

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Wir sind jung und sagen Ja!

Tausend Gedanken haben wir im Kopf. Wir können vor Nervosität schon kaum mehr denken. Das Lied, das wir uns zum Einzug ausgesucht haben, dröhnt durch die Türen der Kirche zu uns auf den Vorplatz. Kein getragener Hochzeitsmarsch, sondern ein Disco-Hit beschallt unseren Traugottesdienst. Unser Herzschlag passt sich dem Beat an. Wir sind unsicher. Sollen wir schon reingehen? Wir warten noch einen Moment ab. Dann geben wir uns einen Ruck. Hand in Hand gehen wir auf die große Tür zu und betreten die festlich geschmückte Kirche. Überall jubeln Menschen. Sie applaudieren und tanzen. Es sind unsere Familien, unsere Freunde! Von überall her sind sie ins Ruhrgebiet gekommen, um unsere Hochzeit zu feiern. Weiterlesen

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Gott, sind wir neidisch!

Seit sich Jorge Mario Bergoglio den Namen Franziskus für sein Pontifikat ausgesucht hat, steht die konfessionelle Weltordnung auf dem Kopf. Katholiken staunen darüber, dass der Heilige Geist wider Erwarten auch im Vatikan wirbeln kann. Protestanten hören neuerdings neugierig zu, wenn Rom spricht. Außenstehende sind verzückt und gratulieren unbedarft auch den Protestanten zu ihrem neuen Papst. Weiterlesen

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O Gott, was kommt da auf mich zu?

Pensionen statt Visionen
Wenn ich in wenigen Jahren mein Studium abschließe, wird auch die evangelische Kirche am Ende sein. Zwar sprudeln im Moment die Kirchensteuereinnahmen trotz schwindender Mitgliederzahlen wie nie zuvor, aber schon jetzt ist klar, dass die Kirche mit ihren geburtenstarken Pastorenjahrgängen selbst in den Ruhestand versetzt wird. Alle verfügbaren Mittel sind etwa vom Jahr 2020 an für die Pensionsansprüche eingeplant. Weiterlesen

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IN SCHA‘A LLAH

Der 11. September 2001 war so etwas wie das Schlüsselereignis meiner Generation, wie es die erste Mondlandung oder der Mauerfall für die Generationen vor uns war. Auf allen Fernsehkanälen erschienen die gleichen Bilder: die brennenden Wolkenkratzer, Menschen, die sich in Panik 400 Meter in die Tiefe stürzten, das Chaos am Ground Zero. In Endlosschleife sahen wir, wie die beiden Flugzeuge in die Twintower krachten. Wie eine hässliche Fratze brannten sich die Bilder vom Anschlag auf das World-Trade-Center in die kollektive Erinnerung ein. Weiterlesen

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Viel Rauch um viel!

Hauptsache viel, Hauptsache, dick belegt – die „Bischofspizza“ im Ristorante Don Camillo gehört zu den exklusivsten Verschwendungen, die die Limburger Gastroszene dieser Tage zu bieten hat. Viel Gambas, viel Käse, viele Cocktailtomaten und Muscheln, und das auch noch für viel Geld. Dabei ist die Bischofs – pizza, verglichen mit den 31 Millionen, die der Limburger Bischofssitz gekostet hat, beinahe ein Schnäppchen. Nur 24,70 Euro kostet das First-Class-Fastfood. Seit zwei Wochen hat Don Camillo den Edelsnack nun als kleines Leckerli für Touristen im Programm.

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Portrait Roland Werner

Dreißig Jahre ist Roland Werner verheiratet. Dennoch wird sie wieder und wieder gestellt, diese eine Frage, die er nicht loswird: „Der Werner, war der nicht mal schwul?“ Roland Werner ist Generalsekretär des CVJM, des deutschen Teils der größten Jugendorganisation der Welt, er ist Bibelübersetzer und Afrikanist, Mit Anfang 20 hat er unter einem Pseudonym ein Buch mit dem Titel „Die Jesus- Alternative. Hoffnung für Homosexuelle“ veröffentlicht. Weiterlesen

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So oder so ist das Leben

Das Reich Gottes ist angebrochen. Mitten in dieser Welt. Mit der Orientierungshilfe geht der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland den oft beschworenen, aber nie eingeschlagenen dritten Weg. Dieser Weg ist nicht liberal, nicht konservativ, er ist progressiv. Menschen werden diskriminiert, marginalisiert und ausgegrenzt. Dazu hat die Kirche zu lange ihren Segen gegeben. Damit soll jetzt Schluss sein. Stattdessen empfiehlt der Rat der EKD, ab sofort Menschen den Segen Gottes zuzusprechen: Singles, Getrennten, Wiederverheirateten, Lebensgemeinschaften, Kommunitäten, Alleinerziehenden, Homosexuellen, Menschen, die Rassismus ausgesetzt sind, Arbeitslosen, Behinderten und anderen, die bisher abschätzig und als nicht vollwertig und voll würdig betrachtet werden. Wo kommen wir da bloß hin? Weiterlesen

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Ihr braucht uns gar nicht!

In meinem Alter hat man auf dem 34. Evangelischen Kirchentag nichts zu suchen. Wir „jungen Erwachsenen“ waren auch in Hamburg nicht vorgesehen, so wie schon vorher in Dresden, Bremen und Köln, und auf dem Ökumenischen Kirchentag 2010 in München übrigens auch nicht. Menschen zwischen 20 und 35 fanden im 600 Seiten starken Programm des Glaubensfestes kaum Angebote, die auf ihr Alter zugeschnitten waren. Verantwortung und Gestaltungsspielraum wird in Großinstitutionen nur selten an Menschen unter 40 abgegeben. Wir kommen nicht vor. In der Kirche nicht und auch nicht auf dem Kirchentag. Weiterlesen

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Mein Vorurteil gehört mir!

Eine demokratische und aufgeklärte Gesellschaft fühlt sich erst dann so richtig demokratisch und aufgeklärt, wenn sie sich ein bisschen Sexismus und Rassismus leisten kann. Anders sind die Debatten der vergangenen Wochen und vor allem die Vehemenz, mit der sie geführt wurden, kaum zu erklären. Weiterlesen

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Nein fürs Leben

Lasse will nicht von Familienministerin Schröder beglückt werden. Der 29-Jährige lehnt sich zurück im Secondhand-Sofa des „Queer-Referats“ der Universität Hamburg. Der Raum ist vollgepackt mit Büchern. „Eine revolutionäre Sexualität ist nötig!“, fordert ein Plakat. Darüber prangt das Konterfei Che Guevaras: Dem kubanischen Revolutionsführer wurde das bunt geschminkte Gesicht Marilyn Monroes verpasst. „Es sollten eben nicht alle müssen, was Kristina Schröder will“, sagt Lasse. Weiterlesen