Mein Name ist
Hannes Leitlein

ich fotografiere, gestalte & texte

Zeige Inhalte
Artikel

Ohne Ansehen

Wenn etwas für alle gilt, muss es für bestimmte Gruppen nicht besonders hervorgehoben werden. Das Gesetz und auch die Unschuldsvermutung gilt »ohne Ansehen der Person«. Wird diese Selbstverständlichkeit ständig betont, wird auch die Gleichheit vor dem Gesetz aufgehoben. Im Fall #Köln rufen die einen, es dürfe jetzt keinen Bonus für MigrantInnen geben, andere wollen die Flüchtlinge schützen. Beides ist Quatsch, weil bisher niemand weiß, wer da am Hauptbahnhof übergriffig wurde und weil: »ohne Ansehen der Person«.

Die strategische Überbetonung ist nicht neu. In österreichischen Boulevardmedien ist sie mir das erste Mal aufgefallen – in einer Weise, die mich bis heute zusammenzucken lässt. Am Ende eines Artikels, der einen mutmaßlichen Täter porträtierte (mit Foto und vollem Namen), stand: »Auch für XY gilt die Unschuldsvermutung«. Ein simpler, sachlich richtiger und deshalb so perfider Satz.

Wenn jetzt also betont wird, dass wahlweise das Gesetz oder die Rechte selbstverständlich auch für Flüchtlinge gelten, legitimiert das die Ausnahme.

Rechte sind nicht selbstverständlich. Das Gesetz gilt zwar ohne Ansehen der Person für alle Menschen gleich. Traurige Wahrheit ist aber, dass es nicht bei allen gleichermaßen zur Anwendung kommt. Selbstverständlich wird eher bei denen mit Ansehen weggesehen und bei denen ohne Ansehen ermittelt. Mit der ganzen Härte des Rechtsstaats.

Andere lesenswerte Texte zum Thema:

Artikel

Kabellos nach Kabelbruch

Dank meiner Follower bei Twitter habe ich einen neuen Kopfhörer. Nachdem sich der alte mit Kabelbruch verabschiedet hat, musste ein neuer her. Pendeln wäre ohne unmöglich. Zu oft, wenn mal wieder Kinder, Fussballhorden oder Senioren lärmen, muss ich mich im Zug in die Stille zurückziehen. Ich schrieb einen Tweet: Weiterlesen

Artikel

Papierstau

Die Abgasschummelei von VW ist das eine. Der eigentliche Skandal steht auf einem anderen Blatt: Drei DIN-A4-Seiten verbraucht jedes Onlineticket der Deutschen Bahn. Gültig ist es nur, wenn es ausgedruckt vorliegt. Ahnungslos klicken die Deutschen auf »Drucken « und holzen, ohne es zu wollen, ganze Regenwälder ab. Nötig ist nur die erste Seite. Allmonatlich wandern so fast vier Millionen Blatt ins Altpapier.

Bisher stank das Auto – selbst mit gefälschten Werten – gegen die Bahn ziemlich ab. Überheblich blickte der Bahnkunde bei 300 km/h auf die SUV-Fahrer, schon gestraft durch Stau und Benzinkosten, herab, als würden diese höchstselbst das Ozonloch ins Firmament reißen! Die Ökobilanz der Bahn ist das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt ist. Aktivisten wollen die Bahn nun zum Sparen anhalten. Es ist mit Papierstau zu rechnen.

Artikel

Qixxit

Vor kurzem habe ich mich beschwert, dass es keine App gibt, die verschieden Verkehrsmittel bei der Routenplanung kombiniert. Ich habe @moovel, @ally, @nextr und @db_bahn vergeblich darauf hingewiesen, dass das der nächste große heiße Mobilitäts-Scheiß ist. Bei Moovel, einer hundertprozentigen Tochter der Daimler AG, war ich mit dieser Info wohl falsch. Nextr und Ally verfolgen offenbar andere Strategien. Alle drei bieten gute Apps, ich habe sie über längere Zeiträume genutzt, sie entsprechen aber nicht meinen Anforderungen. @Qixxit, eine Entwicklung der Bahn, habe ich übersehen. Weiterlesen

Artikel

Scheidung in drei Wörtern

Twitter hilft jetzt auch in der Ehe: Unter #MarriageAdviceIn3Words verraten Nutzer, wie sie ihre Beziehung frisch halten. Twitter spielte im Arabischen Frühling eine große Rolle, warum sollte der Dienst dann nicht auch verdorrten Ehen zur zweiten Blüte verhelfen? Über die Klassiker der Paarberatung geht es jedoch bisher nicht hinaus. »Heitere sie auf«, »Sie hat recht« oder »Whisky, Tango, Foxtrott«, steht da.

Andere Nutzer verbinden den heiligen Bund nicht mit knospender Liebe, sie sehen fallendes Laub. »Verheirate dich nicht«, »Scheidung ist teurer« oder »Kauf einen Hund«, schreiben sie. Mit drei Wörtern ist die Ehe nicht zu retten. Beenden lässt sie sich dagegen in aller Kürze. Etwa so: »Geh jetzt besser«. Oder wie man bei Twitter sagen würde: »Entfolge mich bitte«.

Artikel

Essen auf Rädern 08/2015

Critical Mass Essen 0815

Es ist ein tolles Gefühl, mit so vielen anderen RadfahrerInnen in der Stadt unterwegs zu sein. Alle achten aufeinander und weisen übermütige AutofahrerInnen in ihre Schranken. Während der Critical Mass fühle ich mich sicher. Im Alltag ist das auf dem Fahrrad ein seltenes Gefühl.

Weiterlesen

Artikel

„Wir brauchen eine Ökumene gegen den Kapitalismus“

Herr Ramelow, ich erwische Sie zwischen Kirchentag und Parteitag. Wo fühlen Sie sich wohler?
Bodo Ramelow: Ich fühle mich beim Kirchentag so wohl wie beim Parteitag. Die Grundlinien dessen, was ich hier in Bielefeld sage, unterscheiden sich nicht zu dem, was ich auch bei meiner Bibelarbeit in Stuttgart gesagt habe. Was ich zu sagen habe, variiert nicht vor verschiedenem Publikum. Ich bin der Meinung, dass Themen wie etwa die Rückeroberung des Öffentlichen und eine klarere Perspektive auf die Arbeitszeitverteilung zum Beispiel bei den Lokführern in einer Bibelarbeit so gut platziert sind wie in einer Parteitagsrede. Weil sie mein Bild auf Gesellschaft und Menschen ausdrücken. Weiterlesen

Artikel

„Kirche muss seltsam sein“

Nadia Bolz-Weber zieht viele Blicke auf sich. Die evangelisch-lutherische Pastorin aus Denver/Colorado ist am ganzen Körper tätowiert. Auf dem evangelischen Kirchentag in Stuttgart musterten sie Teilnehmer zum Teil mit skeptischem Blick. Hierzulande ist sie noch nicht besonders bekannt, in den Staaten ist die eigenwillige Pfarrerin dagegen ein Star. Ihr Buch „Pastrix – der verrückte, schöne Glaube einer Sünderin und Gerechten“ schaffte es auf die Bestsellerliste der „New York Times“. Es ist jetzt auch auf Deutsch erschienen. Weiterlesen

Artikel

Wenn nicht jetzt, wann dann?

»Für uns gestorben« heißt die neue Orientierungshilfe der Evangelischen Kirche in Deutschland. Wegen des Flugzeugabsturzes wurde sie nicht öffentlich präsentiert. Christen trauen ihrer eigenen Botschaft nicht mehr. Mein Leitartikel in Ausgabe 14/2015 der ZEIT-Beilage „Christ & Welt“

Weiterlesen