Die sind doch alle so

Kennen Sie Afrika? Nein? Nicht so wichtig! Schließlich handelt es sich bei diesem Kontinent, der größer ist als Europa, China und die USA zusammen, eigentlich nur um ein kleines, überschaubares Land am Meer. In Afrika, da gibt es wilde Tiere, und die Menschen dort sind allesamt bettelarm. Das ist eigentlich alles, was sie über dieses Fleckchen Erde südlich von Italien wissen müssen. Ach ja, nicht dass wir’s vergessen: Der Afrikaner an sich ist im Gegensatz zum aufgeklärten Europäer auch noch durch und durch homophob.

Der Afrikaner an sich sei homophob, deshalb blockierten diese Länder die franziskanische Revolution, wird gern behauptet. Aber stimmt das? Ein Kommentar

Es mag sein, dass afrikanische Diözesen vor anderen Herausforderungen stehen, als die Ehe auch für Homosexuelle und die Eucharistie für wiederverheirate Geschiedene möglich zu machen. Richtig ist auch, dass die Rechte von Homosexuellen in den vergangenen Jahren staatlicherseits in einigen afrikanischen Ländern massiv eingeschränkt wurden. Aber ob wirklich alle 42 Bischöfe, die aus Afrika zur Synode nach Rom gereist sind, Homosexualität einstimmig ablehnen? Die Beweise fehlen, aber die Berichterstatter und ihre Abnehmer hätten es gerne einfach. Ganz Afrika steht in ihren Augen geschlossen gegen Lesben und Schwule.

Europa dagegen, so klingt es in den Berichten, verteidigt tapfer Demokratie und Menschenrechte. Dabei wird munter ausgeblendet, dass auch diesseits des Mittelmeers vor noch nicht allzu langer Zeit darüber diskutiert wurde, ob Homosexuelle nun akzeptiert oder sogar toleriert werden müssen. Auch deutsche Bischöfe äußern sich immer wieder mit Vorbehalten gegenüber sexuellen Orientierungen abseits des katholischen Ideals.

Bischöfe, die Homosexualität aus welchen Gründen auch immer ablehnen, gibt es überall. Die Zweidrittelmehrheit hing mit Sicherheit nicht an Afrika allein. Sie ist knapp an einer konservativen Allianz aus allen Weltregionen gescheitert. Selbst bei dieser transparentesten aller Synoden blieb das Abstimmungsverhalten der einzelnen Bischöfe unter Verschluss. An wem genau die Zweidrittelmehrheit in diesem Punkt gescheitert ist, lässt sich nicht feststellen. Aus Rom heißt es, das Thema Homosexualität rufe bei den Osteuropäern etwa viel mehr Emotionen hervor als bei den afrikanischen Synodenvätern.

Mit Ignatius Ayau Kaigama hat zumindest ein afrikanischer Bischof die simple Afrika-Lesart durcheinandergebracht. Der Vorsitzende der nigerianischen Bischofskonferenz war bisher zwar nicht durch seine Offenheit gegenüber Homosexuellen aufgefallen. Ganz im Gegenteil. Doch auf die Frage eines Journalisten in der synodalen Pressekonferenz hielt er eine flammende Rede auf die Menschenrechte, die, wie er auf Nachfrage sagte, selbstverständlich auch für Homosexuelle gälten. Afrika wird trotzdem als ein großes homophobes Ganzes gezeichnet. Alles andere ist schlicht zu kompliziert für postkolonial geschulte Rezipienten.

Die Europäer beuten diesen Kontinent über Jahrhunderte aus, hinterlassen neben einem wirtschaftlichen und politischen Desaster auch noch ihre homophoben Gesetze und kommen dann einige Jahre später gönnerhaft an und sagen: „Wenn ihr nicht nett zu Lesben und Schwulen seid, streichen wir euch die Entwicklungshilfe!“

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